Rationale
Eine Reihe
von Spätkomplikationen bei Herzschrittmachertherapie können die Sonden
betreffen. Möglich ist z. B. die Dislokation der Sonden. Eine besondere
Komplikation ist das sogenannte Twiddler-Syndrom, ein Verdrehen der Sonden, das
durch Manipulation des Patienten am Schrittmachergehäuse oder zu lockere Lage
des Aggregats in der Schrittmachertasche entsteht. Sondenbrüche oder
Isolations- bzw. Konnektordefekte sind möglich. Ein Anstieg der Reizschwelle
kann eine Sondenrevision erforderlich machen. Von Oversensing spricht man, wenn
z. B. T-Wellen oder Muskelartefakte fälschlicherweise als
R-Zacken-Eigenaktivität des Herzens interpretiert werden und der
Herzschrittmacher dadurch fälschlicherweise inhibiert wird. Sendet er
fälschlicherweise Impulse, weil er den spontanen Herzrhythmus nicht erkennt,
wird dies Undersensing genannt. Kommt es zur Mitstimulation des N. phrenicus,
tritt ein für den Patienten unangenehmes Zwerchfellzucken auf. Eine über das
Schrittmacheraggregat deszendierende Infektion kann in seltenen Fällen zur
Spätkomplikation i. S. einer Endokarditis bzw. Sepsis führen.
Das dänische Schrittmacherregister berichtet aus dem Jahre
2006 von folgenden perioperativen Komplikationsraten: Sondenproblem bei
Vorhofelektrode 2,0%, Sondenproblem bei Ventrikelelektrode 2,1%. Als ”Standard“
für Sondenprobleme legen Møller und Arnsbo für Implantationszentren je < 3%
fest (Møller & Arnsbo 2007).
In einer Langzeitstudie in einer Einrichtung waren
Sondenprobleme (8,4% der Ersteingriffe) der häufigste Grund für Reeingriffe
(Fleck et al. 2006). 63% von diesen betrafen den Vorhof, 37% den Ventrikel.
Die Rate von durchgeführten Revisionsoperationen in einem
Krankenhaus ist nur aussagefähig, wenn man sie auf Patienten bezieht, denen im
gleichen Krankenhaus der Schrittmacher implantiert wurde. Um näherungsweise die
Komplikationsraten der Krankenhäuser vergleichen zu können, wird im
Auswertungskonzept als Bezugsgröße das gemeldete Implantationsvolumen des
Krankenhauses im gleichen Jahr verwandt. Es handelt sich um eine Ratio und
nicht um eine Rate.
Stand 15.03.2009